Warum Lighthouse kein BFSG-Check ist
Scanner wie Lighthouse, WAVE oder axe liefern Hinweise. Aber sie ersetzen keinen BFSG-orientierten Prüfworkflow für Scope, Flows, Findings, Maßnahmenplan und Retest.

Lighthouse ist nützlich. WAVE ist nützlich. axe ist nützlich.
Aber ein Scanner ist kein BFSG-Check.
Ein Scanner zeigt technische Hinweise. Er beantwortet aber nicht automatisch die eigentliche Frage: Welche Website-Flows sind relevant, was blockiert die Nutzung, was muss zuerst behoben werden und was gehört in einen nachvollziehbaren Maßnahmenplan?
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem Scan und einem Prüfworkflow.
Kurzantwort
Lighthouse kann technische Accessibility-Probleme sichtbar machen. Ein BFSG-orientierter Prüfprozess muss aber zusätzlich Scope, Nutzerflows, manuelle Checks, Dokumentation, Priorisierung, Retest und Reporting berücksichtigen.
Ein guter Scanner ist ein Input. Er ist nicht das Ergebnis.
Was Lighthouse gut kann
Lighthouse kann schnell Hinweise liefern, zum Beispiel:
- fehlende oder problematische Labels
- Kontrastprobleme
- fehlende Alt-Texte
- grundlegende ARIA-Probleme
- technische Accessibility-Warnungen
- Performance- und Best-Practice-Hinweise
Das ist wertvoll, besonders als erster technischer Einstieg.
Aber es bleibt ein automatisierter Blick auf einzelne technische Punkte.
Was Lighthouse nicht sauber entscheidet
Ein Scanner kann Ihnen nicht zuverlässig sagen:
- ob eine Website oder ein Shop überhaupt in den relevanten Scope fällt
- ob der Checkout als vollständiger Nutzerflow funktioniert
- ob Zahlung, Login, Buchung oder Formulare praktisch bedienbar sind
- ob Fehlermeldungen verständlich genug sind
- ob ein Nutzer mit Tastatur durch den Prozess kommt
- ob ein Finding für den Kunden kritisch oder nachrangig ist
- ob Expert Review oder Legal Review nötig ist
- wie daraus ein kundenverständlicher Report wird
Das ist der Bereich, in dem viele Projekte stecken bleiben.
Es gibt dann eine Liste mit 47 Issues. Aber niemand weiß, was zuerst passieren soll.
Warum Scope vor Scanner kommt
Bevor Sie scannen, müssen Sie grob verstehen:
- Ist die Website B2C-relevant?
- Gibt es einen Online-Shop?
- Gibt es Checkout oder Zahlung?
- Gibt es Buchung, Login oder Formulare?
- Gibt es digitale Dienstleistungen?
- Gibt es Anlage-3-relevante Informationen?
- Gibt es kritische Nutzerflows, die manuell geprüft werden müssen?
Wenn diese Fragen offen sind, ist der Scanner nur ein technischer Schnappschuss.
Er zeigt Symptome, aber nicht den Prüfrahmen.
BFSG-relevant wird es oft im Flow
Gerade bei Websites und Online-Shops entsteht die eigentliche Relevanz selten nur auf der Startseite. Wichtiger sind oft:
- Produktsuche
- Produktdetailseite
- Warenkorb
- Checkout
- Zahlungsfunktion
- Login
- Kontaktformular
- Buchungsformular
- Fehlermeldungen
- Bestätigungsseite
- mobile Ansicht
Ein Button kann technisch korrekt aussehen und trotzdem im Nutzerflow Probleme erzeugen.
Ein Formular kann teilweise zugänglich sein und trotzdem am Fehlerzustand scheitern.
Ein Checkout kann im Scanner okay wirken und trotzdem bei Tastaturbedienung unbrauchbar sein.
Der bessere Workflow
Ein sinnvoller Prüfprozess sieht eher so aus:
Scope
→ Website-Flows
→ Scanner-Ergebnisse
→ manuelle Checks
→ Findings
→ Priorisierung
→ Maßnahmenplan
→ Retest
→ KundenreportDer Scanner kommt also nicht weg. Er bekommt nur seinen richtigen Platz.
Mini-Checkliste
Bevor Sie Scanner-Ergebnisse an einen Kunden weitergeben, prüfen Sie:
- Ist der Scope dokumentiert?
- Sind die kritischen Website-Flows klar?
- Wurde Checkout/Zahlung/Login/Formular manuell geprüft?
- Sind Findings nach Nutzerwirkung priorisiert?
- Gibt es Screenshots oder Evidenz?
- Ist klar, was nicht feststellbar ist?
- Gibt es einen Retest-Plan?
- Gibt es eine kundenverständliche Zusammenfassung?
Wenn nicht, haben Sie wahrscheinlich noch keinen Report, sondern nur Rohmaterial.
Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung, keine Zertifizierung und keine Konformitätsgarantie. Er beschreibt einen strukturierten Prüf- und Dokumentationsansatz.
FAQ
Ist Lighthouse nutzlos?
Nein. Lighthouse ist ein guter erster technischer Hinweisgeber. Es ersetzt aber keinen vollständigen Prüfworkflow.
Kann ein Scanner BFSG-Konformität beweisen?
Nein. Scanner können Hinweise liefern, aber sie können nicht alle relevanten Flows, rechtlichen Einordnungen, manuellen Bedienprobleme oder Reporting-Anforderungen vollständig abdecken.
Was sollte nach einem Scan passieren?
Die Ergebnisse sollten normalisiert, mit Website-Flows verbunden, manuell geprüft, priorisiert, dokumentiert und in einen Maßnahmenplan übersetzt werden.
Was ist der erste Schritt?
Nicht der Scanner. Der erste Schritt ist Scope: Was ist die Website, welche Nutzerflows gibt es und was könnte relevant sein?
Ist das Rechtsberatung?
Nein. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung und keine Zertifizierung. Er beschreibt einen strukturierten Prüf- und Dokumentationsansatz.