BFSG Checkliste für Websites: Scope, Flows, Findings, Retest

    Eine praktische BFSG-orientierte Website-Checkliste: Scope klären, Flows erfassen, Scanner einordnen, manuell prüfen, Findings dokumentieren und Retest planen.

    Sechs Prüfzeilen mit Haken und Kreuzen als Checkliste.

    Eine gute BFSG-Checkliste beginnt nicht mit Farben. Sie beginnt mit der Frage:

    Was muss ein Nutzer auf dieser Website eigentlich erfolgreich tun können?

    Das ist der zentrale Punkt. Bei Websites und Online-Shops geht es nicht nur um einzelne Elemente. Es geht um Nutzerflows.

    Kurzantwort

    Eine sinnvolle BFSG-orientierte Website-Checkliste sollte Scope, kritische Website-Flows, Scanner-Ergebnisse, manuelle Checks, Findings, Maßnahmenplan und Retest abdecken.

    Schritt 1: Scope klären

    Prüfe zuerst:

    • Richtet sich die Website an Verbraucher?
    • Gibt es einen Shop?
    • Gibt es digitale Dienstleistungen?
    • Gibt es Buchung oder Terminvereinbarung?
    • Gibt es Zahlung?
    • Gibt es Login oder Kundenkonto?
    • Gibt es Formulare?
    • Gibt es wichtige Dokumente oder Downloads?
    • Gibt es unklare rechtliche Einordnung?

    Ohne Scope ist jede weitere Prüfung unscharf.

    Schritt 2: Website-Flows erfassen

    Liste alle relevanten Nutzerpfade:

    • Startseite
    • Navigation
    • Suche
    • Produktdetailseite
    • Warenkorb
    • Checkout
    • Zahlung
    • Login
    • Kontaktformular
    • Buchung
    • Bestätigung
    • Fehlermeldungen
    • mobile Ansicht

    Nicht jeder Flow ist gleich wichtig. Priorität haben die Flows, die Kauf, Buchung, Zahlung, Vertragsabschluss oder Kontakt ermöglichen.

    Schritt 3: Scanner-Ergebnisse sammeln

    Nutze Scanner als Input. Zum Beispiel:

    • Lighthouse
    • WAVE
    • axe
    • andere Accessibility Checks

    Aber dokumentiere:

    • welche Seite gescannt wurde
    • wann gescannt wurde
    • welches Tool genutzt wurde
    • welche Ergebnisse wiederholt auftreten
    • welche Findings manuell geprüft werden müssen

    Schritt 4: Manuelle Checks durchführen

    Scanner reichen nicht. Manuelle Checks sollten mindestens umfassen:

    • Tastaturbedienung
    • Fokusreihenfolge
    • sichtbare Focus States
    • Formularlabels
    • Fehlermeldungen
    • Modal/Overlay-Verhalten
    • Checkout-Schritte
    • Zahlung
    • mobile Bedienung
    • Screenreader-Smoke-Test bei kritischen Flows

    Schritt 5: Findings dokumentieren

    Jedes Finding braucht:

    • Titel
    • betroffene Seite
    • betroffener Flow
    • Problem
    • Nutzerwirkung
    • Evidenz
    • Priorität
    • empfohlener Fix
    • Retest-Hinweis

    Das macht aus Einzelproblemen einen Maßnahmenplan.

    Schritt 6: Maßnahmen priorisieren

    Nicht alles ist gleich dringend. Priorisiere nach:

    • blockiert Kauf oder Zahlung
    • blockiert Login oder Formular
    • betrifft viele Nutzer
    • betrifft kritischen Flow
    • rechtliche/kommunikative Unsicherheit
    • einfach zu beheben
    • braucht Expert Review

    Schritt 7: Retest planen

    Nach dem Fix ist die Arbeit nicht fertig. Sie brauchen einen Retest:

    • wurde der konkrete Fehler behoben?
    • funktioniert der gesamte Flow?
    • sind neue Probleme entstanden?
    • ist die Dokumentation aktualisiert?
    • ist der Report finalisierbar?

    Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung, keine Zertifizierung und keine Konformitätsgarantie. Er beschreibt einen strukturierten Prüf- und Dokumentationsansatz.

    FAQ

    Was ist der erste Schritt einer BFSG-orientierten Website-Prüfung?

    Scope klären. Erst danach Scanner und manuelle Checks sinnvoll einordnen.

    Was ist wichtiger: Startseite oder Checkout?

    Bei Online-Shops ist der Checkout oft wichtiger, weil dort der Kaufprozess stattfindet.

    Muss alles manuell geprüft werden?

    Nicht alles gleich tief. Aber kritische Flows sollten manuell geprüft werden.

    Warum ist Retest wichtig?

    Weil ein Fix neue Probleme erzeugen kann oder das Problem nur teilweise behebt.

    Ist diese Checkliste Rechtsberatung?

    Nein. Sie ist ein strukturierter Arbeitsansatz und keine Rechtsberatung.

    Passendes Asset

    Website Accessibility Compliance Workflow Stack

    Statt einzelner Scanner-Warnungen ein geführter Durchlauf vom Scope-Check bis zum fertigen Kundenreport.